Hundehaare im Wald: Schädlich, hilfreich oder irrelevant?

Schädliches Hundefell, Zigarettenstummel in Nestern, Vögel in Gefahr. Ist dem so?

(über­ar­bei­te­ter Bei­trag Stand 02/2026)

Novem­ber 2024 hat Pfoten­funk recher­chiert und den Forst zu die­sen The­men inter­viewt. Die Bei­träge zu den Risi­ken durch Hun­de­haare im Wald häuf­ten sich auf Social Media Por­ta­len und dies meist mit unbe­leg­ten Argu­men­ten. Die besag­ten Stu­dien dazu wur­den ange­prie­sen aber nicht ver­linkt und auf­find­bar waren sie auch nicht. Selbst bei Peta blie­ben zu dem Zeit­punkt Quel­len­an­ga­ben aus und Nach­fra­gen unbe­ant­wor­tet. Bis zur neus­ten Stu­die aus 2025. Aber 2024 suchte ich woan­ders nach Ant­wor­ten. Und wer weiß bes­ser was dem Wald scha­det als der Forst? Wenn etwas den Vögeln im Wald scha­det, wüss­ten Förs­ter das doch als Erste oder? Also hab ich nach­ge­fragt bei Fors­t­er­klärt und dem Staats­be­trieb Sach­sen­forst. Die Ant­wor­ten fiel jeweils ziem­lich gleich aus, nur unter­schied­lich aus­führ­lich. Nach­fol­gend noch­mal zusam­men gefasst:

 

Frage Nummer 1) Hundehaar schadet Vögeln, stimmt das?

Damals hieß es „Das wäre neu. Vögel nut­zen ver­schie­dene Mate­ria­lien, dar­un­ter auch Haare. Wenn es gefähr­lich wäre, hät­ten sie es wahr­schein­lich längst gemie­den. Es gibt ledig­lich Berichte von Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen, dass Jung­vö­gel sich mit Haa­ren Glied­ma­ßen abschnü­ren kön­nen. Das Pro­blem könnte sich jedoch gene­rell auf län­gere Haare bezie­hen, z.B. auch vom Men­schen. Wir kön­nen das nicht bewer­ten, da uns dazu keine ver­läss­li­chen For­schungs­ar­bei­ten bekannt sind.“ Inzwi­schen ist das jedoch anders und die Ant­wor­ten wür­den heute ver­mut­lich anders aus­fal­len, aber dazu kom­men wir spä­ter. Erst klä­ren wir noch eine andere Frage.

 

Frage Nummer 2) Hundehaare verrotten nicht. Ist dem so?

„Es gibt keine Hin­weise dar­auf, dass Hun­de­haare im Wald anders ver­rot­ten als andere orga­ni­sche Mate­ria­lien. Spe­zi­elle Belege oder Gegen­be­lege gibt es dazu nicht. Im Wald haben aus­ge­kämmte Hun­de­haare jedoch grund­sätz­lich nichts ver­lo­ren. Natür­lich ver­lie­ren Hunde bei einem Wald­spa­zier­gang auch Haare, das ist ganz nor­mal. Aber aus­ge­kämmte Hun­de­haare, die dann in grö­ße­ren Men­gen hin­ter­las­sen oder depo­niert wer­den, gehö­ren nicht in das Öko­sys­tem und sind ein Fremd­ein­trag wie bei­spiels­weise Grün­schnitt auch.”

 

Frage Nummer 3) Hundehaare sollen invasive Arten fördern. Wie? Und von welchen ist da die Rede?

“Dazu sind uns keine ver­läss­li­chen Infor­ma­tio­nen oder Belege bekannt.” Das ist auch heute (2026) noch unbe­legt.

 

Was sagte das Internet 2024? Eine KI recherchierte.

Das Inter­net zu durch­fors­ten* kann Stun­den dau­ern. Außer man ist eine KI. Also habe ich damals zusätz­lich eine KI zu dem Thema befragt und nach Quel­len gebe­ten. Mal schauen was sie fand. (*Anm.d.Red.: Bemerkt jemand das Wort­spiel?)

„Es gibt keine spe­zi­fi­schen Stu­dien, die bele­gen, dass Hun­de­haare inva­sive Arten för­dern. Haare, die beim natür­li­chen Haar­ver­lust im Wald ver­blei­ben, stel­len kein gro­ßes Pro­blem dar. Grö­ßere Men­gen aus­ge­kämm­ter Haare soll­ten nicht in den Wald ein­ge­bracht wer­den, da sie als Fremd­ma­te­rial betrach­tet wer­den und das Öko­sys­tem stö­ren könn­ten, aber kon­krete Aus­wir­kun­gen von Hun­de­haa­ren sind nicht doku­men­tiert. Hun­de­haar ver­rot­tet ledig­lich lang­sa­mer als pflanz­li­ches Mate­rial. Anti­pa­ra­si­ten­mit­tel könn­ten die Zer­set­zung theo­re­tisch ver­lang­sa­men, jedoch gibt es auch dazu keine umfas­sen­den Stu­dien.

Vögel nut­zen oft Tier­haare für den Nest­bau, aber es besteht das Risiko, dass sich Jung­vö­gel in lan­gen Haa­ren ver­fan­gen und ver­let­zen. Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen wie der NABU emp­feh­len daher keine Hun­de­haare gezielt als Nist­ma­te­rial aus­zu­le­gen.“

 

2026 mit neuen Erkenntnissen

Inzwi­schen benö­tigt es keine KI mehr zur Recher­che, denn längst hat eine Stu­die aus 2025 die Runde gemacht. Wenn man heute danach sucht fin­den sich auf unter­schied­lichs­ten Platt­for­men fol­gende, dies­mal belegte Ergeb­nisse:

Aktu­elle wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen bele­gen, dass Hun­de­haare, die mit Para­si­ten­mit­teln behan­delt wur­den, eine erheb­li­che töd­li­che Gefahr für Jung­vö­gel dar­stel­len. Eine im Jahr 2025 ver­öf­fent­lichte Unter­su­chung der Uni­ver­sity of Sus­sex publi­zierte in Sci­ence of the Total Envi­ron­ment. Unter­sucht wur­den 103 Nes­ter von Blau­mei­sen und Kohl­mei­sen mit fol­gen­den Ergeb­nis­sen:

  • In jedem ein­zel­nen der unter­such­ten Nes­ter wur­den Insek­ti­zide nach­ge­wie­sen. In 100 % der Pro­ben fand sich Fipro­nil, in 89 % zudem Imi­da­clo­prid und Per­me­th­rin. Diese Stoffe sind in der Land­wirt­schaft oft ver­bo­ten, aber in Tier­arz­nei­mit­teln weit ver­brei­tet.
  • Eine höhere Kon­zen­tra­tion die­ser Ner­ven­gifte im Nist­ma­te­rial ist mit einer erhöh­ten Sterb­lich­keit von Küken und einer gerin­ge­ren Schlupf­rate ver­bun­den.

Hier gilt natür­lich zu unter­schei­den, was für che­mi­sche Para­si­ten-Pro­phy­la­xen auf das Hun­de­fell auf­ge­tra­gen wur­den. Kurz um ist alles was che­misch behan­delt wurde nicht son­der­lich hilf­reich als Nist­ma­te­rial. Des­halb braucht es Alter­na­ti­ven.

 

Nistmaterial alternativen für Stadt-Vögel

Und die Sache mit den Zigarettenstummeln in Nestern.

Kein Fell ist keine Alter­na­tive, denn dann suchen sich Vögel eigene. Meh­rere Stu­dien und Berichte zei­gen, dass Vögel in städ­ti­schen Gebie­ten Ziga­ret­ten­stum­mel in ihren Nes­tern ver­wen­den. Da diese kaum Fell von Wild­tie­ren ver­füg­bar haben, grei­fen sie auf alter­na­ti­ves Mate­rial zur Aus­klei­dung zurück. Die ent­hal­te­nen Che­mi­ka­lien, v.a. Niko­tin, weh­ren Para­si­ten ab, was den Vögeln kurz­fris­tig hilft jedoch sind die ent­hal­te­nen Gift­stoffe schäd­lich für die Jung­vö­gel und kön­nen deren Ent­wick­lung beein­träch­ti­gen. Vögel haben sich diese Eigen­schaft zu nutze gemacht, wäh­len aber eher Tier­haare sofern diese ver­füg­bar sind. In städ­ti­schen Gebie­ten ist es daher hilf­reich, klei­nere Kurz­haar Depots z.B. mit Schur­wolle oder ande­rem unbe­han­del­tem Fell zum raus­zup­fen anzu­bie­ten. Nicht ein­fach aus­ge­legt son­dern in Vogel­häu­sern o.ä. Sta­tio­nen.

 

Pfotenfunk Fazit

Schluss­end­lich stimmt der Fakt, dass ver­mehrt aus­ge­leg­tes Hun­de­haar kon­tra­pro­duk­tiv für Flora und Fauna im Wald ist. Aber das liegt nicht spe­zi­ell am Hun­de­fell selbst, son­dern sowohl an der Menge und Länge des Haars, als auch der Para­si­ten­schutz­mit­tel, die die­sem anhaf­ten. Wäh­rend im Wald aus­rei­chen Wild­haar ver­füg­bar ist, kann es in der Stadt hin­ge­gen hilf­reich sein, klei­nere Depots mit Fell oder Wolle anzu­bie­ten.

 

Quel­len­nach­weise – Update Februar 2026:

https://​www​.sci​en​ce​di​rect​.com/​s​c​i​e​n​c​e​/​a​r​t​i​c​l​e​/​p​i​i​/​S​0​0​4​8​9​6​9​7​2​5​0​0​0​737

https://​www​.sus​sex​.ac​.uk/​b​r​o​a​d​c​a​s​t​/​r​e​a​d​/​6​6​973

https://​www​.sci​en​ce​daily​.com/​r​e​l​e​a​s​e​s​/​2​0​2​3​/​0​7​/​2​3​0​7​0​9​2​0​2​4​5​5​.​htm

https://​www​.news​ci​en​tist​.com/​a​r​t​i​c​l​e​/​2​1​1​4​0​0​3​-​c​i​g​a​r​e​t​t​e​-​b​u​t​t​s​-​h​e​l​p​-​u​r​b​a​n​-​b​i​r​d​s​-​w​a​r​d​-​o​f​f​-​m​i​t​es/

https://www.nature.com/articles/d41586-019–00322‑0

Das Inter­view mit dem Sach­sen­forst und Felix von Fors­t­er­klärt.