Futter-Deklarationen: Fleischanteil, Nebenerzeugnisse und Werbetricks

Viele Fut­ter-Dekla­ra­tio­nen ver­spre­chen oft mehr, als tat­säch­lich im Napf steckt. Sie sind eine Kom­bi­na­tion aus weni­gen gesetz­li­chen Pflicht­an­ga­ben und einer Viel­zahl unge­schütz­ter Begriffe. So ver­mi­schen sich echte Infor­ma­tio­nen mit geschick­ten Wer­be­tricks und einer Menge Mar­ke­ting. Für End­kun­den sorgt das meis­tens für Ver­wir­rung oder sie ver­las­sen sich Blind auf Schlag­worte. Skep­tisch zu sein, lohnt sich. In die­sem Arti­kel brin­gen wir Licht ins Dun­kel: Wir schauen uns an, wel­che offi­zi­el­len Bezeich­nun­gen auf der Ver­pa­ckung vom tat­säch­li­chen Fleisch­an­teil abhän­gen, wie die gesetz­li­chen Min­dest­pro­zent­an­teile gere­gelt sind und was sich hin­ter dem Begriff „tie­ri­sche Neben­er­zeug­nisse“ wirk­lich ver­birgt. Augen auf beim Fut­ter­kauf!

Beginnen wir mit einem Fallbeispiel.

Eine Kun­din möchte den Her­stel­ler wech­seln und fin­det dabei ein ver­hält­nis­mä­ßig sehr güns­ti­ges Mus­kel­fleisch für eine Misch­ra­tion. Da Mus­kel­fleisch der hoch­wer­tigste Teil eines jeden Tie­res ist, aus­ge­stat­tet mit hoch­wer­ti­gen Pro­te­inen und einer sehr guten Ver­dau­lich­keit , hat die­ser Part auch sei­nen Preis. Ein deut­lich güns­ti­ge­rer Preis ent­steht meist dann, wenn dem Mus­kel­fleisch noch Inne­reien und die häu­fig auf­tau­chen­den tie­ri­schen Neben­er­zeug­nisse bei­gemischt wer­den.

Aber was ist damit eigent­lich gemeint?

Die tierischen Nebenerzeugnisse – was steckt dahinter?

  • Inne­reien: Leber, Milz, Lunge, Nie­ren, Pan­sen, Blät­ter­ma­gen, Schlund und Herz.*
  • Schlacht­ab­fälle: Häute, Felle, Hör­ner, Hufe, Federn, Kral­len, Blut, Kno­chen­fett.
  • Sons­ti­ges: Kar­kas­sen (Geflü­gel­rück­stände), Euter.

* Wobei Herz und Magen theo­re­tisch Mus­kel sind.

Hier spre­chen wir also vom Fleisch der Kate­go­rie 3. Was für eine Kate­go­rien denn nun? Fleisch wird nach Qua­li­tät ein­ge­stuft, die tie­ri­schen Neben­er­zeug­nis­sen fal­len in Kate­go­rie 3, diese defi­niert: Alle tie­ri­schen Neben­pro­dukte von genuss­taug­li­chen Tie­ren, die nicht für den mensch­li­chen Ver­zehr bestimmt sind.

Kranke Tiere und Fall­wild sind davon kon­se­quent aus­ge­schlos­sen. Sie fal­len unter:

  • Kate­go­rie 1 – Hoch­ri­si­ko­ma­te­rial (muss ver­brannt wer­den)
  • Kate­go­rie 2 – Risi­ko­ma­te­rial (wird für Technik/​Dünger genutzt)

Gere­gelt sind diese Kate­go­rien in der EU-Ver­ord­nung (EG) Nr. 1069/2009. Über­wacht durch das Tie­ri­sche Neben­pro­dukte-Besei­ti­gungs­ge­setz (Tier­NebG). Dies gilt für ganz Deutsch­land und somit auch für alle Bun­des­län­der.

 

Bei dem Her­stel­ler des Fall­bei­spiel wurde fol­gende Aus­sage auf­ge­führt: „100% Mus­kel­fleisch, wir haben als Auf­lage tie­ri­sche Neben­er­zeug­nisse mit auf­zu­füh­ren. Unter­schied­li­che Bun­des­län­der, unter­schied­li­che Auf­la­gen.”

Die Rechts­grund­lage bil­det wie bereits auf­ge­führt die Ver­ord­nung (EG) Nr. 1069/2009, die in der gesam­ten EU gilt. Regio­nale Unter­schiede ent­ste­hen nur in der prak­ti­schen Umset­zung, nicht in der Ein­ord­nung der Kate­go­rien. Hier wird eine Dekla­ra­ti­ons­ka­te­go­rie fälsch­lich als Pro­dukt­be­zeich­nung inter­pre­tiert und damit die Kund­schaft in die Irre geführt. Ob bewusst oder unbe­wusst bleibt Spe­ku­la­tion – dar­über erlaube ich mir kein Urteil.

Es bleibt also nun davon aus­zu­ge­hen, dass in die­sem Fut­ter wie in sehr vie­len ande­ren, auch sehr offen­sicht­lich, tie­ri­sche Neben­pro­dukte von genuss­taug­li­chen Tie­ren, die nicht für den mensch­li­chen Ver­zehr bestimmt sind, ver­ar­bei­tet wur­den.

Tierische Nebenprodukte von genusstauglichen Tieren – wovon ist hier die Rede?

Diese Parts ent­spre­chen allem, was kein hoch­wer­ti­ges Mus­kel­fleisch ist, d.h. viel Bin­de­ge­webe, Seh­nen, Euter, Schlund, Kopf­fleisch und mehr. Hier ent­ste­hen wei­tere Risi­ken: An dem Schlund haf­ten Hor­mone der Schild­drüse an und beein­flus­sen den T4-Wert und somit die Schild­drüse dei­nes Hun­des, wäh­rend an dem Kopf­fleisch Hor­mone der Hirn­an­hangs­drüse anhef­ten kön­nen. Aber auch Schlacht­ab­fälle sind mit von der Par­tie: Federn, Kral­len und Schnä­bel wer­den in der Regel getrock­net und zu Mehl (z. B. Geflü­gel­mehl) ver­ar­bei­tet. Sie die­nen in bil­li­gem Tro­cken­fut­ter oder Dosen­fut­ter als güns­tige Pro­te­in­fül­ler. Nur rei­nes Mus­kel­fleisch (mager oder durch­wach­sen) lie­fert hoch­wer­ti­ges, tie­ri­sches Pro­tein.

Wer weiß, was hin­ter den tie­ri­schen Neben­er­zeug­nis­sen steckt, schaut nächs­tes Mal genauer hin, wenn er/​sie sich auf die Suche begibt. Aber auch die Ein­ord­nung eines Fut­ters ist von Belang, wenn man z. B. Fut­ter einer bestimm­ten Tier­sorte sucht. Hier gilt zu unter­schei­den, wie viel Huhn (als Bei­spiel) denn am Ende im Fut­ter steckt. 100 % Huhn oder nur Hüh­ner­aroma?

Auslobung im Futtermittelrecht: Die 5 bezeichnungen von „Geschmack“ bis „Pur“

Gene­rell wird die Benen­nung auf der Ver­pa­ckung nach dem Leit­fa­den der FEDIAF (Euro­pean Pet Food Indus­try) und der Euro­päi­schen Fut­ter­mit­tel­ver­ord­nung (EU-VO 767/2009) ein­ge­stuft. Gestaf­felt wird dabei nach den Min­dest­pro­zent­an­tei­len der geschmacks­ge­ben­den Zutat, bezo­gen auf den gesam­ten Fleisch­an­teil. Hier­bei wer­den fünf Kate­go­rien unter­schie­den. Wir blei­ben beim Hüh­ner-Bei­spiel:

1. Kategorie: Hühnergeschmack

Hier rei­chen bereits 0 bis unter 4 % Huhn aus. Der Geschmack wird ent­we­der natür­lich oder künst­lich über Aro­men erzeugt.
    • Bei­spiel-Zuta­ten­liste:„Fleisch und tie­ri­sche Neben­er­zeug­nisse (36 %, u. a. Rind und Schwein), Getreide, Öle und Fette (u. a. 0,5 % Hüh­ner­fett), Mine­ral­stoffe, pflanz­li­che Neben­er­zeug­nisse, Sen­so­ri­sche Zusatz­stoffe: Hüh­ner­aroma.“
    • Über­setzt: Du liest hier von 36 % unbe­kann­ten tie­ri­schen Kom­po­nen­ten in unbe­kann­ten Men­gen (davon u. a. Rind und Schwein) sowie Hüh­ner­aroma als sen­so­ri­schem Zusatz­stoff. Damit ist aus­drück­lich nicht das Hüh­ner­fett gemeint.

2. Kategorie: Futter mit Huhn / enthält Huhn

Um diese Aus­lo­bung nut­zen zu dür­fen, müs­sen min­des­tens 4 % Huhn ent­hal­ten sein.
    • Bei­spiel-Zuta­ten­liste:„Fleisch und tie­ri­sche Neben­er­zeug­nisse (36 %, davon 4 % Huhn), Getreide, Mine­ral­stoffe, pflanz­li­che Eiweiß­ex­trakte.“
    • Über­setzt: Das Fut­ter ent­hält einen tie­ri­schen Gesamt­an­teil von 36 %, wovon nur 4 % Huhn sind. Die rest­li­chen 96 % des Fleisch­an­teils bestehen aus unbe­kann­ten tie­ri­schen Kom­po­nen­ten.

3. Kategorie: Reich an Huhn / viel Huhn

Wird ein Fut­ter so aus­ge­zeich­net, reden wir von min­des­tens 14 % Huhn.
    • Bei­spiel-Zuta­ten­liste:„Fleisch und tie­ri­sche Neben­er­zeug­nisse (55 %, davon 14 % Huhn), Getreide, Gemüse, Mine­ral­stoffe, Öle und Fette.“
    • Über­setzt: In der Dose ste­cken 55 % tie­ri­scher Gesamt­an­teil, davon 14 % Huhn. Der gesamte Rest die­ser Fleisch­masse besteht aus unbe­kann­ten tie­ri­schen Kom­po­nen­ten.

4. Kategorie: Hühner-Menü / Hühner-Mahlzeit

Bei Begrif­fen wie Hüh­ner-Menü, Menü mit Huhn, Hüh­ner-Mahl­zeit oder Hüh­ner-Ein­topf reden wir von min­des­tens 26 % Huhn.
    • Bei­spiel-Zuta­ten­liste:„Fleisch und tie­ri­sche Neben­er­zeug­nisse (60 %, davon 26 % Huhn), Getreide (u. a. 4 % Reis), Gemüse, Mine­ral­stoffe, Öle & Fette.“
    • Über­setzt: Der tie­ri­sche Gesamt­an­teil liegt bei 60 %, davon sind 26 % Hüh­ner­an­teil. Der gesamte Rest die­ser Fleisch­masse besteht aus unbe­kann­ten tie­ri­schen Kom­po­nen­ten.

5. Kategorie: Single Protein Huhn / Huhn pur / Monoprotein Huhn

Diese Begriffe bedeu­ten, dass 100 % des Fleisch­an­teils aus­schließ­lich vom Huhn stam­men. Bezo­gen auf das Gesamt­ge­wicht der Dose ent­spricht das (inklu­sive Wasser/​Brühe und Zusät­zen) meist 70–90 % Huhn.
    • Bei­spiel-Zuta­ten­liste:„70 % Huhn (Hüh­ner­fleisch, Hüh­ner­her­zen, Hüh­ner­le­ber, Hüh­ner­mä­gen, Hüh­ner­hälse), 28,5 % Hüh­ner­fleisch­brühe, 1 % Mine­ral­stoffe, 0,5 % Lachsöl.“
Vor­sicht bei All­er­gien und Unver­träg­lich­kei­ten!
Wer bewusst nach einem Sin­gle- oder Mono­pro­tein sucht, weil der eigene Hund All­er­gien oder Into­le­ran­zen hat, der muss ganz beson­ders auf­pas­sen. Schauen wir uns die Zuta­ten­liste aus dem Bei­spiel der Kate­go­rie „Huhn pur“ noch ein­mal genau an: Hier ist am Ende 0,5 % Lachsöl dekla­riert. Das Huhn wird zwar recht­lich als ein­zige tie­ri­sche Pro­te­in­quelle fest­ge­legt, es dür­fen jedoch wei­tere tie­ri­sche Kom­po­nen­ten für andere Zwe­cke genutzt wer­den,  wie in die­sem Fall als Fett- und Ölquelle oder bei ande­ren Fut­tern als Cal­ci­um­quelle.

Pfotenfunk-Fazit:

Wie du siehst: Fut­ter-Dekla­ra­tion ist ein ech­tes Ver­steck­spiel. Ein gut klin­gen­des „Hüh­ner-Menü“ ent­puppt sich beim genauen Hin­se­hen oft als Mogel­pa­ckung, bei der der Groß­teil der Fleisch­masse von ganz ande­ren Tie­ren stammt. Und ein ver­meint­lich gesun­des Fut­ter mit „Hüh­ner­ge­schmack“ hat oft noch nicht ein­mal ech­tes Fleisch gese­hen, son­dern ver­dankt sei­nen Namen rein dem Labor-Aroma. Und auch das Mono­pro­te­in­fut­ter für All­er­gi­ker kommt oft mit wei­te­ren tie­ri­schen Kom­po­nen­ten im Gepäck.
Merke dir für dei­nen nächs­ten Fut­ter­kauf:
    • Aroma & Geschmack bedeu­ten meist Che­mie und 0 % ech­tes Fleisch.
    • Bezeich­nun­gen wie „mit“ oder „reich an“ nut­zen nur das gesetz­li­che Mini­mum aus.
    • Nur bei „Pur“ oder „Sin­gle Pro­tein“ bekommst du zu 100 % die Tier­art als tie­ri­sche Pro­te­in­quelle, die drauf­steht – aber selbst hier lau­ern abwei­chende Tier­ar­ten in den Fett­quel­len (wie Lachsöl).
Lass dich von Schlag­wor­ten auf der Vor­der­seite nicht blen­den. Dreh die Dose um, lies die Zuta­ten­liste und schau genau hin. Augen auf beim Fut­ter­kauf!